Für die Familie
Black fing der sonnige Tag
stinknormal an. Herr
Black las wie gewohnt die Morgenzeitung. Seine Frau spähte wie jeden Morgen über den Zaun zu den Nachbarn hinüber. Die drei Kinder von Herrn und Frau
Black hiessen Anna,
Lukas und Lisa. Anna war 14 Jahre alt und war die älteste der drei Kinder.
Lukas war mit seinen 13 Jahren der
zweitgrösste der Kinder und sehr neugierig bei mysteriösen Sachen. Darum hatte er mit seinem
Schulkollegen einen Detektivclub namens „
Trouvé“ gegründet. Das jüngste der drei Kinder war Lisa. Mit ihren 6 Jahren war sie zwar die Jüngste der Familie. Man durfte sie jedoch nicht unterschätzen, denn sie war ein echtes Genie. Sie konnte zum Beispiel zwei Schuljahre überspringen. In der 3. Klasse hatte sie bisher in jedem Fach eine Sechs gekriegt und konnte jetzt schon den ganzen Stoff der 6. Klasse. Sie war jetzt fast gleich weit in der Schule wie
Lukas.
Beim Frühstück erzählte die Mutter den drei Geschwistern, was sie an diesem Sonntag machen würden. Sie wollte in den ziemlich dichten Schwarzwald Würste braten gehen und, wie sie sagte, die frische Waldluft schnuppern. Lisa schrie laut vor Begeisterung, denn sie liebte diesen Wald. Sie fand nämlich, dass man darin super „
Versteckis“ spielen und auch prima klettern kann. Anna und
Lukas stöhnten jedoch laut, als die Mutter das Tagesprogramm bekannt gab. "Muss das sein?", murrten die zwei Kinder. "Ja, es muss sein", rief Frau
Black barsch. "Gut, dann nehme ich aber meinen Hund
Filino mit", rief
Lukas trotzig.
Filino, der Hund von
Lukas, ist ein Jahr alt und bringt
Lukas jede Menge Ärger ein. Trotzdem würde
Lukas Filino für das ganze Geld der Welt nicht hergeben.
Lukas träumt ja davon, Detektiv zu werden und möchte, dass
Filino sein Detektivhund ist, doch bis jetzt hat sich
Filino noch nicht bewährt. Nach 15 Minuten hatten sie Würste und Co. eingepackt. Sie liefen in gemächlichem Tempo los. Sie kamen auf den Kiesweg und hörten den Kies unter ihren
Füssen knirschen. Anna gähnte herzhaft und dachte: "Ist das öde". Das würde sich in ein paar Stunden jedoch gewaltig ändern.
Die drei Kinder
sassen um das knisternde Feuer und vertilgten ihre Würste, während
Filino bittend zu ihnen hinaufschaute. Frau
Black war nicht bei den Kindern, weil sie mit ihrem Mann zusammen spazieren ging. Plötzlich jaulend bellte
Filino und rannte wie vom Affen gebissen durch das Gebüsch
ausser Sichtweite. Lisa rannte
Filino nach, dicht gefolgt von Anna und
Lukas, denn sie hatten die Pflicht auf Lisa
aufzupassen. Klatschend schlugen die Äste auf sie ein und die Dornen zerkratzten ihre Beine. Doch das
unwirkliche Heulen von
Filino spornte sie an, noch schneller zu rennen. Als sie völlig erschöpft auf die Lichtung kamen, stockte ihnen der Atem.

Vor ihnen erhob sich ein riesiges, mit Moos
bewachsenes, gruseliges Schloss. Die Schlosswand war mit einem verschimmelten, gelben Lack überzogen, der jetzt schon ziemlich zerbröckelt war. Aus dem Kamin schoss Rauch und dazu hörte man das unheilvolle
Krächzen der Raben und das Knirschen der Fensterläden im Wind. Und auf dem Boden vor dem Schloss
sass ängstlich
Filino zusammengekauert, neben ihm lagen in einer
grossen Blutlache zwei Leichen. "Was macht ihr denn hier", flüsterte eine unheimliche Stimme. Mit pochenden Herzen drehten sich die Kinder zu der Gestalt, die gesprochen hatte, um und sie erschraken.Sie blickten ins aschfahle Gesicht eines Mannes. Er hatte
blutunterlaufene Augen, rabenschwarze Kleider mit einer violetten Krawatte an und glänzendes schwarzes Haar, das rechts zur Seite ausgerichtet war. Der Mann sah schon so unheimlich und böse aus, doch das Gruseligste waren seine
schneeweissen, messerscharf gespitzten Zähne. Lisa schrie laut auf und fing an, wegzurennen, doch bevor sie auch nur drei Schritte machen konnte, packte die
weisse Hand des Mannes den Arm von Lisa und hielt sie zurück. Der unbekannte Mann sagte: "Wohin so eilig, ich habe mich doch noch gar nicht vorgestellt. Gestatten, Herr
Dracu ist mein Name. Und wie ist euer Name?" "
Lukas, Anna und Lisa", stotterte
Lukas. Herr
Dracu fragte sie, ob sie nicht bei ihm essen wollten, doch die Kinder lehnten ab. "Dann müsst ihr mir wenigstens euren Wohnort sagen, damit ich euch besuchen kann, denn ich bin so einsam hier allein im Wald". "Das hättest du wohl gerne, du verdammtes Miststück, ich verrate jemandem, der vor seinem Haus zwei Leichen hat, sicher nicht meinen Wohnort", rief Lisa unerschrocken und spuckte auf den Boden. Plötzlich packte Herr
Dracu Lisa und nahm aus seiner Westentasche ein blitzendes Messer hervor und hielt es an Lisas Kehle. "Wenn ihr mir euren Wohnort nicht sagt, passiert Lisa genau das Gleiche wie den zwei Leichen auf dem Boden und ich warne euch, die Wahrheit zu sagen, denn Herr
Dracu, besser bekannt als der Vampir, findet immer die Wahrheit heraus", sagte der Vampir.
Lisa versuchte vehement, sich aus dem Griff des
Vampirs zu lösen. Doch die Finger
liessen sich keinen Millimeter bewegen. Lisa fing an zu schluchzen. Vergessen von allen rannte
Filino auf den Vampir zu und biss ihn kräftig in den Hintern. Augenblicklich
liess Herr
Dracu Lisa los und fluchte schmerzerfüllt. Lisa, die jetzt ihre Chance sah zu fliehen, sprintete so schnell wie ein 100 Meter-Läufer in die Richtung, aus der sie mit Anna und
Lukas gekommen war. So schnell waren die drei Kinder in ihrem Leben noch nie gerannt. Trotzdem kam der Vampir immer näher. Noch 100 Meter, 80, 40, 15, nur noch fünf Meter... , man konnte jetzt schon seinen stinkenden Mundgeruch riechen. Die fahlen Hände packten
Lukas am Hals so fest, dass er fast erstickt wäre. "Ihr habt vielleicht gedacht, ihr könntet einfach so fliehen", flüsterte der schwer atmende Vampir und packte
Lukas noch fester am Hals. "Anna! Lisa! Haut ab, solange ihr noch könnt!", presste
Lukas mit zischender Stimme hervor. Anna erwiderte: "Nein, ich sage ihm unsere Adresse jetzt, denn er wird sie sowieso irgendwann herausfinden". "So lobe ich es mir", spottete der Vampir. Anna sagte mit zitternder Stimme: "Wir wohnen an der Blumengasse 12. Lass jetzt endlich
Lukas los". Und tatsächlich
liess der Vampir
Lukas los, denn er sagte, Vampire würden immer ihr Wort halten, und lächelte geheimnisvoll. Die Kinder flohen nach Hause ohne zurückzuschauen. Nach einer Weile drehten sie sich doch um, um zu schauen, ob der Vampir sie verfolgt hatte. Anstatt den Vampir sah
Lukas ein Kamerakabel am Boden liegen, das wohl von einem Filmkamera her stammte. "Merkwürdig", dachte
Lukas, aber er entschied sich Anna und Lisa nichts zu sagen.
Am ganzen Körper zitternd bogen die drei Kinder in die Blumengasse ein. Alle hatten unterschiedliche Gedanken. Anna dachte daran, wie sie das ganze Ereignis ihren Eltern erklären könnte und ob die Eltern bei der Feuerstelle oder zu Hause warten würden. Ihre zweite Sorge war eigentlich ziemlich unbegründet. Denn es war niemand bei der Feuerstelle, als sie auf dem Nachhauseweg dort vorbeirannten.
Lukas dagegen dachte den ganzen Weg über das Kamerakabel nach und fand, dass an dieser Geschichte etwas faul sein müsse. Seine Schwester Lisa hingegen schaute nervös umher, denn sie befürchtete, dass der Vampir noch immer herumlungern könnte. Anna,
Lukas und Lisa standen vor ihrem Haus. Bevor Lisa die Klingel drücken konnte, packte Anna ihren Arm und ermahnte sie: "Vergiss nicht, kein Wort zu den Eltern, ich regle das schon". Lisa nickte schluckend und klingelte. Nichts tat sich, doch dann hörten sie Schritte, die näher kamen, Frau
Black öffnete die Tür und fragte: "Wo seid ihr denn so lange gewesen, wir hatten uns schon Sorgen um euch gemacht". Anna antwortete: "
Filino ist abgehauen und wir sind ihm nachgerannt. Als wir ihn endlich einholten, wussten wir nicht mehr, wo wir waren, und erst nach langer Zeit haben wir aus dem Wald gefunden". "Aber...", rief Lisa und wurde dafür von Anna mit sehr bösen Blicken angesehen, und verstummte. "Auch egal, jetzt essen wir zusammen das Abendbrot, bevor es kalt wird. Es gibt Spaghetti", erläuterte Frau
Black. Egal wie sich die Mutter bemühte, ein Gespräch zustande zu bringen, niemand von den Kindern redete. Vor allem Lisa war sehr traurig, Anna war auch nicht viel fröhlicher und
Lukas machte ein ernstes, nachdenkliches Gesicht. Scherzend fragte Frau
Black die Kinder: "Was habt ihr denn? Man könnte meinen, die Welt würde bald untergehen, wenn man in eure Gesichter schaut. Ja fast wie wenn ihr ein Monster gesehen hättet!" Wie recht sie doch hat, dachten die drei Kinder gleichzeitig und schwiegen.
Als sie fertig gegessen hatten, gingen sie in ihre Zimmer. Anna schlich jetzt schon ins Bett. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie Lisa so böse angeschaut und den Eltern nichts vom Vampir erzählt hatte. Dabei hatte sie es Lisa doch versprochen.
Lisa ging auch ins Bett, denn es war für ihr Alter schon ziemlich spät. Am nächsten Tag war ja wieder Schule. Lisa fing an zu schluchzen, hatte sie doch Angst, dass der Vampir in das Haus einbrechen könnte. Sie hörte Schritte von der Treppe her. Die Mutter kam vorbei, um gute Nacht zu wünschen und die Türe zu
schliessen. "Jetzt bin ich ganz allein", dachte Lisa traurig und schlief mit einem unruhigen Traum ein. Anna konnte wegen des schlechten Gewissens nicht einschlafen. Über zwei Stunden wälzte sie sich im Bett. Nach langem Zögern beschloss sie, das Erlebte den Eltern zu erzählen. Sie stand wieder auf.
Lukas konnte ebenfalls keine Ruhe finden, jedoch weder wegen eines schlechten Gewissens noch weil er Angst gehabt hätte. Nein, er rätselte über den Vampir. Er hegte den Verdacht, dass es gar kein Vampir war, sondern nur ein Mensch, der so tat, als wäre er ein Vampir. Auch er beschloss, aufzustehen und zu den Eltern zu wandeln. Im selben Augenblick wachte Lisa auf und beschloss, auch wenn es gegen den Willen ihrer Schwester Anna war, die Ereignisse des Tages den Eltern zu erzählen. Im Korridor
stiessen die drei Kinder aufeinander. Sie realisierten, dass sie alle das Gleiche vorhatten. Sie beschlossen, zusammen ins Zimmer der Eltern zu gehen und stiegen die Treppe hinauf. Als Anna,
Lukas und Lisa vor den Eltern standen, nahm Anna ihren ganzen Mut zusammen und sagte zu ihnen: "Ich habe vorher gelogen. Wir waren zwar tatsächlich
Filino nachgerannt. Wir waren aber nicht deshalb so lange weg, weil wir uns verlaufen hatten, sondern weil wir im Wald an einen Mann gerieten, der uns bedrohte." In diesem Augenblick starrte Lisa aus dem Fenster und erschrak. Vor dem Haus stand ein schwarz gekleideter Mann. Dieser Mann betätigte nun die Klingel - DING
DONG....Ungeachtet der Warnungen der Kinder öffnete Frau
Black die Haustüre und
begrüsste den Besucher. Der fremde Mann fragte: "Können Sie Ihren Mann und Ihre Kinder bitte rufen? Ich habe eine wichtige Nachricht." Frau
Black zögerte eine Weile und ging ihre Familie holen. Bevor alle zur Tür gingen, steckte Frau
Black zur Sicherheit ein
Natel ein." Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt 1'000 Franken in bar und ein Auto im Wert von Fr. 20'000.- gewonnen!", frohlockte der fremde Mann. Die Familie fragte wie aus einem Mund, wieso sie denn gewonnen hätten. Darauf antwortete der Besucher, dass die Kinder bei der Sendung "Herr
Dracu, der mysteriöse Mann" eine Hauptrolle gespielt hätten. Als Entschädigung und Dank könne er ihnen nun das Bargeld und das schöne Auto übergeben. Auf einen Schlag war die ganze Familie überglücklich und erleichtert sogleich. Nach diesem Besuch konnte die ganze Familie gut schlafen und freute sich über die Geschenke.